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Historische Airborne-Aufnahme aus der Dienstzeit

31. August – 16. September 1993 · Salisbury Plain

Gryphon’s Flight

Das erste große internationale Ausrufezeichen.

Nur wenige Monate nach der Aufstellung des Bataillons verlegt ein Vareler Kontingent nach Südengland: im Kern Soldaten der 2./313, verstärkt durch Kameraden der 3./313, dazu Kräfte der frisch aufgestellten 5./313. Unterschiedliche Rollen, ein gemeinsamer Auftrag – und die erste große internationale Bewährungsprobe gegen eine britische Airborne-Formation auf deren eigenem Übungsplatz.

01 · Als die Neuausrichtung laufen lernte

Jung, neu – und sofort auf internationaler Bühne.

1993 befand sich die Bundeswehr im Umbruch. In Varel entstand gleichzeitig ein Verband, der sehr schnell zeigen musste, was die neue Ausrichtung auf Krisenreaktion praktisch bedeutete.

Vom 31. August bis zum 16. September 1993 verlegte ein deutsches Luftlande-Kontingent auf die Salisbury Plain in Wiltshire. Die zeitgenössische Einheitschronik nennt 116 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 313.

Der infanteristische Kern kam aus der 2. Kompanie (2./313), die für die Übung durch Teile der 3. Kompanie (3./313) personell verstärkt und ergänzt wurde. Hinzu kamen Kräfte der frisch aufgestellten 5. Kompanie (5./313) – der damaligen B1-Kommandokompanie. Damit trugen Soldaten aus drei Kompanien das Vareler Kontingent. Gerade das Zusammenspiel zwischen Kampfkompanie, Verstärkung und spezialisierter B1-Komponente machte den besonderen Charakter von Gryphon’s Flight aus.

Tradition entsteht nicht dadurch, dass man sie behauptet. Sie beginnt dort, wo eine junge Truppe zum ersten Mal unter echten Maßstäben bestehen muss.94JumpStreet · Rückblick auf 1993
Einheitschronik 2./FschJgBtl 313 · Gryphon’s Flight 1993 · privates Archiv
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Kräfte aus drei Kompanien · unterschiedliche Rollen · ein Auftrag

Evakuieren, sichern, zugreifen – gemeinsam.

Das Szenario war für 1993 bemerkenswert modern: der Zusammenbruch staatlicher Ordnung in einem fiktiven Bürgerkriegsland und die Evakuierung eigener Staatsbürger und schutzbedürftiger Zivilisten.

Im Rahmen dieser Non-combatant Evacuation Operation (NEO) lagen die Schwerpunkte unterschiedlich. Die spezialisierte B1-Komponente übernahm Aufgaben bis hin zum verdeckten Zugriff und zur Geiselbefreiung. Der infanteristische Kern wurde durch Kameraden des Bataillons verstärkt und ergänzt. Gemeinsam sicherten sie Räume, stellten Schutz und Bewegungsfreiheit her und übernahmen die robuste Umsetzung im Gelände.

Entscheidend war nicht, welche Kompanie „wichtiger“ war. Entscheidend war, dass die unterschiedlichen Szenarien nur im Zusammenwirken funktionierten. Genau dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräfte wurde in Südengland zur frühen Visitenkarte des jungen Vareler Bataillons.

Historische Aufnahme mit Rundkappen-Fallschirmen aus der Dienstzeit
AIRBORNE - SPRUNGDIENST DER FRÜHEN 90er - PRIVATES ARCHIV
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Copehill Down

Copehill Down. Ein Maßstab. Und das „Wohnzimmer“ der britischen Airborne-Truppe.

Copehill Down war nicht irgendeine von mehreren Ortschaften. Es war genau dieses künstliche Übungsdorf auf der Salisbury Plain, in dem sich der entscheidende Orts- und Häuserkampf abspielte.

Die Anlage ist als FIBUA-Trainingszentrum für den Kampf in bebautem Gelände konzipiert und gehörte zum vertrauten Trainingsraum der britischen Streitkräfte. Für die Soldaten der 5th Airborne Brigade und des Parachute Regiment war Salisbury Plain Heimatgelände – und Copehill Down eine Umgebung, in der britische Airborne-Kräfte ihre Abläufe, Härte und Routine kannten.

Damit war die Ausgangslage klar: Die Vareler traten nicht gegen beliebige Berufssoldaten oder bloße „Feinddarsteller“ an. Ihr Partner und Gegenüber war eine stolze britische Airborne-Formation, deren eigene Identität auf schneller Verfügbarkeit, Härte und offensivem Handeln beruhte. Gerade deshalb hatte jede Anerkennung, die sich die Deutschen dort erarbeiteten, Gewicht.

Copehill Down military training village auf Salisbury Plain
Einsatz in der Geisterstadt: Copehill Down auf der Salisbury Plain (Wiltshire, Südengland). Die Aufnahme entstand 2006 und zeigt den originalen Übungsort, an dem die Vareler Fallschirmjäger während Gryphon’s Flight 1993 ihren Orts- und Häuserkampf (FIBUA) trainierten. Die kargen Straßenzüge und grauen Häuserfronten vermitteln noch heute etwas von der beklemmenden Kulisse dieser Auslandsübung.
Foto: Scott Wylie · „Copehill Down military training village, Salisbury Plain“ · Lizenz: CC BY 2.0 · unveränderte Originaldatei.
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Der Zugriff

Copehill Down – ein Angriff, der hängen blieb.

Die persönliche Erinnerung der Beteiligten ist bis heute erstaunlich klar: Stundenlange Annäherung, nasser Boden, offenes Gelände – und dann im Morgengrauen maximale Geschwindigkeit.

Die Vareler Fallschirmjäger arbeiteten sich in der Dunkelheit über die offenen Flächen der Salisbury Plain an das Übungsdorf heran. Was danach folgte, entsprach nicht dem Bild einer vorsichtigen, schwerfälligen Bundeswehr. Der Angriff entwickelte Tempo, Wucht und Eigenständigkeit.

Copehill Down wurde schneller genommen, als es die britische Seite nach Erinnerung der Vareler erwartet hatte. Im Graben- und Häuserkampf ging es robust zu. Die britischen Paras schenkten nichts her – und genau deshalb blieb das verärgerte „Fucking Krauts“ in der Erinnerung hängen. Nicht als Triumph über einen schwächeren Gegner, sondern als raues Soldatenlob aus einer Truppe, die selbst größten Wert auf Härte legte.

So blieb die Szene einem damaligen Teilnehmer in Erinnerung – rau, direkt und typisch für den Ton unter Fallschirmjägern.

Nicht weil die Briten schwach waren, war Copehill Down besonders. Sondern weil sie es nicht waren.94JumpStreet · Zeitzeugenperspektive 1993
Copehill Down heute

Im Auge der Kamera – die Geisterstadt aus der Vogelperspektive

Vorschaubild des YouTube-Videos The Ghost Town of Copehill Down

The Ghost Town of Copehill Down

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Im Auge der Kamera – Die Geisterstadt Copehill Down aus der Vogelperspektive: Diese Drohnenaufnahmen zeigen die gespenstische Ruhe und die verwinkelten Straßenzüge von Copehill Down (FIBUA Village). Genau durch diese Kulissen bewegten sich die Vareler Fallschirmjäger während Gryphon’s Flight. Die Aufnahme vermittelt einen unmittelbaren Eindruck von der kargen Szenerie auf der Salisbury Plain und von dem detailreich angelegten Kampfdorf mit seiner Kirche St. Judes und den bayerisch anmutenden Hausfassaden – jenem Gelände, auf dem 1993 der intensive Häuserkampf trainiert wurde.

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05 · Die britische Anerkennung

Auf Augenhöhe – und genau deshalb blieb etwas zurück.

Wer verstehen will, warum Gryphon’s Flight für die jungen Vareler Fallschirmjäger mehr war als ein Auslandsmanöver, muss auch die andere Seite sehen. Die britische 5th Airborne Brigade und das Parachute Regiment traten mit einem ausgeprägten eigenen Airborne-Selbstverständnis an. Salisbury Plain war ihr Terrain, Copehill Down ihr vertrautes FIBUA-Umfeld. Anerkennung musste man sich dort erarbeiten.

Airborne Brotherhood

Respekt, der länger hielt als die Übung.

1993 traf das junge Vareler Kontingent auf britische Airborne-Kräfte, die Härte, Tempo und offensive Initiative selbst zum Maßstab machten. Dass die Deutschen in Copehill Down nicht nur mithielten, sondern die britischen Verteidiger nach Erinnerung der Beteiligten mit Tempo und Entschlossenheit überraschten, war für die Vareler ein Moment, an dem sich Anerkennung unmittelbar anfühlte: erst im rauen Ton des Gefechts, danach im Umgang miteinander.

Der stärkste britische Satz zu dieser Verbindung stammt nicht aus einer Punktewertung der Übung, sondern aus der Erinnerungskultur, die Jahrzehnte später daraus erwuchs. Als britische Paras 2019 das Gedenken an den 1993 auf Salisbury Plain tödlich verunglückten Jäger Dirk Knöffel erneuerten, erklärte Major (a.D.) Alan „Al“ Crees gegenüber der britischen Presse:

“He was a fellow paratrooper, a brother in arms. The airborne brotherhood is world-wide. It doesn't matter what nationality you are.”

Major (Retd.) Alan „Al“ Crees · britische Presse, 2019

Sinngemäß: Er war ein Fallschirmjägerkamerad, ein Waffenbruder. Die Airborne Brotherhood ist weltweit – Nationalität spielt dabei keine Rolle.

Dieser Satz sagt nicht, wer in einem einzelnen Gefechtsszenario „gewonnen“ hat. Er sagt etwas Beständigeres: Der deutsche Fallschirmjäger wurde von britischen Paras als einer der Ihren erinnert. Genau darin liegt die glaubwürdigste Form von Anerkennung – nicht im Eigenlob, sondern in einer Kameradschaft, die das Manöver um Jahrzehnte überdauerte.

Gerade im traditionsbewussten Parachute Regiment, in dem Zugehörigkeit und Airborne-Stolz einen hohen Stellenwert haben, ist eine solche Geste mehr als höfliche Erinnerung: Dass britische Para-Veteranen 26 Jahre später aus eigenem Antrieb das Gedenkkreuz eines deutschen Fallschirmjägers erneuerten und ihn öffentlich als „brother in arms“ bezeichneten, zeigt, wie tief Respekt und Verbundenheit aus jener Zeit fortwirkten.

Taten strahlen länger als Worte. Für die Vareler von 1993 ist die bis heute sichtbare Airborne Brotherhood deshalb vielleicht der stärkste Beleg dafür, dass man auf Salisbury Plain nicht nur trainierte – sondern sich Respekt erarbeitete.

Offizielles Mützenabzeichen des britischen Parachute Regiment
Grafik: Offizielles Mützenabzeichen (Cap Badge) des britischen Parachute Regiment (Gemeinfrei via Wikimedia Commons).
Offizielles Formation Badge der britischen Luftlandekräfte beziehungsweise der 5th Airborne Brigade
Grafik: Offizielles Verbandsabzeichen (Formation Badge) der britischen Luftlandekräfte / 5th Airborne Brigade (Gemeinfrei via Wikimedia Commons).
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Härte hat ihren Preis

Ein Manöver, das zusammenschweißte – und einen Kameraden kostete.

Salisbury Plain verlangte den Vareler Fallschirmjägern nicht nur taktisch alles ab. Der weitläufige, unübersichtliche Trainingsraum war fordernd, nass, rau und alles andere als ungefährlich.

Am 5. September 1993 wurde aus Übungsrealität bitterer Ernst: Ein Panzerabwehrfahrzeug des deutschen Kontingents überschlug sich. Jäger Dirk Knöffel aus der 3./313, einer der Kameraden, die das Vareler Kontingent verstärkten, kam dabei ums Leben. Öffentliche britische Quellen dokumentieren den Unfall und das Gedenkkreuz auf dem Ridgeway nahe Lavington Vedette bis heute.

Gerade dieser Verlust gibt der späteren Airborne Brotherhood ihre Tiefe. Das gemeinsame Manöver war nicht nur Härte, Wettkampf und soldatischer Ehrgeiz. Es wurde auch Teil einer gemeinsamen Erinnerung. Britische Veteranen und lokale Kräfte sorgten über Jahre dafür, dass das Gedenken an den deutschen Fallschirmjäger auf der Salisbury Plain erhalten blieb und erneuert wurde.

Gedenkkreuz auf der Salisbury Plain: Das Denkmal nahe Urchfont / Eastcott erinnert bis heute an den 1993 tödlich verunglückten Jäger Dirk Knöffel. Geograph verzeichnet den Standort bei 51°17′24.9″N, 1°57′13.1″W (WGS84).
Foto: John Hope · „Memorial to German Soldier“ · Geograph.org.uk · Lizenz: CC BY-SA 2.0. Die Originaldatei bleibt unverändert; die Darstellung wird auf der Website lediglich per CSS skaliert und leicht beschnitten.
Aus Gegnern im Szenario wurden Kameraden in der Erinnerung.94JumpStreet · Salisbury Plain 1993 bis heute

Damit führt die Geschichte von Gryphon’s Flight weiter als bis zum Übungsende. Der Respekt, den sich die Vareler Fallschirmjäger in Südengland erarbeiteten, verband sich mit etwas, das Airborne-Soldaten über Nationen hinweg verstehen: dem Bewusstsein, dass Leistung, Risiko, Verlust und Kameradschaft dieselbe Sprache sprechen.

Ein Jahr später

Von Salisbury Plain nach Celle.

Gryphon’s Flight machte aus einem jungen Vareler Kontingent mit Kräften aus drei Kompanien eine Truppe mit internationaler Erfahrung. Schinderhannes 1994 sollte zeigen, dass die Leistung in Südengland kein einmaliger Ausreißer gewesen war.

Was 1993 gemeinsam mit und gegen britische Airborne-Kräfte begann, bekam im Großraum Celle eine neue Dimension: diesmal im Jagdkampf gegen internationale Fernaufklärungstrupps und Spezialkräfte.

94JumpStreet Signet
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94JUMPSTREET · AIRBORNE HERITAGE SERIES SALISBURY PLAIN · EDITION 1993

EIN KAPITEL GESCHICHTE. EIN MOTIV.

GRYPHON’S FLIGHT1993

Salisbury Plain. Copehill Down.
Ein frühes internationales Kapitel.

1993 nahm ein Vareler Kontingent an Gryphon’s Flight in Südengland teil. Die Übung verband anspruchsvolle Ausbildung und Zusammenarbeit mit britischen Airborne-Kräften – Erfahrungen, die den jungen Verband prägten.

Zur Erinnerung gehört auch der Verlust eines Kameraden. Unser heutiges Heritage-Motiv würdigt die gemeinsame Zeit, ohne die Ereignisse als historische Originalaufnahme darzustellen.

BALD IM SHOP
Dieses Heritage-Motiv ist bereits als Vorschau zu sehen. In Kürze wird es im 94JumpStreet-Shop erhältlich und hier direkt verlinkt sein.

94JUMPSTREET · HEUTIGES HERITAGE-DESIGN
Heritage-Motiv Gryphon’s Flight 1993 mit Pegasus über Salisbury Plain und Copehill Down
GRYPHON’S FLIGHT · SALISBURY PLAIN · 1993
VON KAMERADEN. FÜR KAMERADEN.GESCHICHTE BEWAHREN · ERINNERUNG WEITERTRAGEN
Quellen & historische Belege

Projektvorlage / Zeitzeuge: Grundlage dieser Fassung ist die vom Auftraggeber bereitgestellte Textvorlage „Manöver Gryphon’s Flight 1993“ sowie die zeitgenössische Einheitschronik der 2./FschJgBtl 313. Nach ergänzender Teilnehmerinformation bestand das Vareler Kontingent aus dem Kern der 2./313, verstärkt durch Teile der 3./313, sowie Kräften der 5./313. Angaben zu Zusammenarbeit, Angriffstempo und dem überlieferten „Fucking Krauts“ werden aus dieser Teilnehmerperspektive erzählt.

5th Airborne Brigade: Das Airborne Assault Museum / ParaData dokumentiert die Brigade als britische Airborne-Formation mit zwei Parachute Battalions sowie eigenen Airborne-Unterstützungskräften und NATO-/Out-of-Area-Auftrag.

Copehill Down: Britische Quellen beschreiben Copehill Down als FIBUA-Trainingsanlage auf Salisbury Plain. Die Anlage wurde Ende der 1980er Jahre als künstliches urbanes Trainingsgelände errichtet und gehörte zum regelmäßigen britischen Häuserkampftraining.

Britische Anerkennung: Britische Paras würdigten Jäger Dirk Knöffel Jahrzehnte später ausdrücklich als „fellow paratrooper“ und „brother in arms“. Diese öffentliche Erinnerung zeigt, wie lange die Airborne-Verbundenheit aus jener Zeit fortwirkte.

Gedenkort und Unfall: Jäger Dirk Knöffel gehörte zur 3./313 und nahm als Teil der Verstärkung des Vareler Kontingents an der Übung teil. Das britische MOD-Magazin Sanctuary dokumentiert das Kreuz für ihn und nennt als Todesursache den Überschlag eines Panzerabwehrfahrzeugs. Weitere britische Quellen dokumentieren den Gedenkort auf dem Ridgeway nahe Lavington Vedette und spätere Restaurierungsmaßnahmen. Der regionale Pressebericht von 2019 enthält die öffentliche Würdigung durch britische Para-Veteranen.