Neuaufstellung in Varel
Das Fallschirmjägerbataillon 313 entsteht in der Frieslandkaserne. Aus unterschiedlichen militärischen Biografien und Einheiten muss ein neuer Verband zusammenwachsen.
Die Story · Frieslandkaserne Varel
Vom Garnisonsstandort zum Fallschirmjägerbataillon 313.
Eine Geschichte über Aufbruch, Einsatzbereitschaft, besondere Strukturen – und Menschen, die von Varel aus ihren Weg weitergingen.
01 · Der Ort
Die Geschichte der Fallschirmjäger in Varel begann nicht auf einem leeren Blatt. Jahrzehnte bevor das bordeauxrote Barett das Bild der Frieslandkaserne prägte, war Varel bereits Garnisonsstadt.
Seit 1961 gehörte der Standort am Steinbrückenweg zur Bundeswehr. Zunächst prägten Panzergrenadiere über viele Jahre das militärische Leben der Kaserne. 1992/93 begann dann ein tiefgreifender Wandel: Aus dem Panzergrenadierbataillon 313 und dem Fallschirmjägerbataillon 271 entstand das neue Fallschirmjägerbataillon 313.
Mit der Neuaufstellung begann eine Epoche, die in die große Transformation der Bundeswehr nach dem Kalten Krieg fiel. Neue Strukturen, Krisenreaktionskräfte, internationale Übungen und schließlich reale Auslandseinsätze veränderten Auftrag und Selbstverständnis der Truppe in wenigen Jahren.
Was auf höherer Ebene als Neuausrichtung bezeichnet wurde, spielte sich in Varel ganz konkret ab – zwischen Kasernentor und Stube, Sprungdienst und Übungsplatz, Ausbildung, Einsatzvorbereitung und Kameradschaft.
Für die Männer, die hier dienten, wurde die Frieslandkaserne deshalb weit mehr als eine militärische Liegenschaft. Sie wurde zu einem gemeinsamen Bezugspunkt – und für viele zu einem Teil der eigenen Biografie.



Aufbruch · 1993–1995
Der neue Verband bekam keine lange Schonfrist. Die Bundeswehr ordnete ihre Luftlandekräfte neu, die Krisenreaktionskräfte gewannen an Bedeutung – und in Varel musste aus unterschiedlichen Wurzeln in kurzer Zeit eine einsatzbereite Fallschirmjägertruppe zusammenwachsen.
Ausbildung, Sprungdienst und internationale Zusammenarbeit waren deshalb nicht nur Tradition. Sie waren Teil eines neuen Anspruchs: beweglich sein, schnell reagieren können und auch außerhalb des gewohnten Rahmens bestehen. Der Ruf des jungen Verbandes entstand nicht in einem einzigen Moment – sondern Schritt für Schritt.
Das Fallschirmjägerbataillon 313 entsteht in der Frieslandkaserne. Aus unterschiedlichen militärischen Biografien und Einheiten muss ein neuer Verband zusammenwachsen.
Schon im ersten Jahr tritt ein Vareler Kontingent auf Salisbury Plain gegen Kräfte der britischen 5th Airborne Brigade an. Für das junge Bataillon ist es das erste große internationale Ausrufezeichen.
Deep-Dive: Gryphon’s FlightDie 2./313 wird als Jagdkraft gegen internationale Fernaufklärungstrupps eingesetzt. Das Ergebnis der Übung wird in der Kompaniegeschichte zu einem prägenden Bezugspunkt.
Deep-Dive: SchinderhannesDer internationale Austausch setzt sich fort. Bei der 82nd Airborne Division treffen Vareler Fallschirmjäger auf amerikanische Airborne-Kultur, Ausbildung und Sprungdienst.
Deep-Dive: Fort Bragg 1995Eine zeitgenössische Unterlage zum FschJgBtl 313 zeigt Auftrag, Gliederung und Selbstverständnis aus der damaligen Perspektive. Solche Dokumente sind wichtig, weil sie nicht rückblickend erzählen – sie zeigen, wie der Verband sich in seiner Entstehungszeit selbst verstand.
Die besondere Kompanie
Anfang der 90er-Jahre entstanden in der Fallschirmjägertruppe drei B1-Kommandokompanien. Ihre Aufgabe lag bei besonderen Aufträgen, die über das klassische Profil einer Fallschirmjägerkompanie hinausgingen.
Die 5./FschJgBtl 313 nahm diese Sonderrolle in Varel ein. Ausbildung, Verfahren und Personal waren auf hohe Eigenständigkeit, besondere Belastbarkeit und spezielle Aufträge ausgerichtet. Die B1-Struktur bestand nur wenige Jahre – ihre Bedeutung liegt aber gerade in dieser Übergangsphase.
1996 endete die B1-Struktur. Im selben Jahr begann in Calw der Aufbau des Kommando Spezialkräfte. Militärhistorische Veröffentlichungen der Bundeswehr belegen, dass die bereits zuvor aufgebauten Kommandokompanien zu jener Entwicklung gehörten, aus der Personal, Erfahrungen und Verfahren in die neue Spezialkräfte-Landschaft einflossen.
Die B1-Kompanie war damit Teil einer kurzen, außergewöhnlichen Übergangsphase: aufgebaut für besondere Aufträge, geprägt von hoher Eigenständigkeit – und nur wenige Jahre später Teil einer Entwicklung, die in neue Spezialkräfte-Strukturen führte.
Erster Kompaniechef 5./313 B1 · später 2./313
Als erster Chef der Vareler B1-Kommandokompanie gehörte Teichmann zu den Offizieren, die ab 1993 diese neue Struktur praktisch mit aufbauten. Später führte ihn sein Weg innerhalb des Bataillons zur 2./313.
Vareler Aufbaujahre · Privatarchiv / Zeitzeugenerinnerung.HFw · Kompaniefeldwebel 5./313
Als Spieß gehörte Halbroth zu den prägenden Unteroffizieren der B1-Kompanie. Sein weiterer Weg blieb eng mit der Fallschirmjägertruppe und der LL/LTS verbunden: 2011 wurde Stabsfeldwebel Dieter Halbroth nach 34 Dienstjahren durch Oberst Ferdinand Baur in den Ruhestand versetzt.
Mehr zur späteren Verwendung →HFw · Kompanietruppführer 5./313 · später OStFw
Aus den Vareler Aufbaujahren führte sein Weg in internationale Einsatz- und Logistikverwendungen. Die NWZ dokumentierte ihn 2013 als erfahrenen Fallschirmjäger aus Varel bei der Rückverlegung aus Afghanistan über Trabzon und nannte vorherige Einsätze in Bosnien, Kosovo und Mali.
NWZ: „Spediteure im Tarnanzug“ →Aus Übung wird Einsatz
Nur wenige Jahre nach der Neuaufstellung waren Vareler 313er nicht mehr ausschließlich Teil einer Truppe, die sich auf mögliche Krisen vorbereitete. Angehörige des Bataillons standen nun im Auslandseinsatz.
Ein veröffentlichter Lebenslauf eines damaligen Truppenarztes des FschJgBtl 313 weist für 1996 und 1997 Auslandseinsätze in Bosnien aus. Archivbestände zu IFOR/GECONIFOR ergänzen diesen Rahmen. Spätestens damit war die neue Einsatzrealität im eigenen Verband angekommen.
Angehörige des FschJgBtl 313 werden im Rahmen der deutschen Beteiligung auf dem Balkan eingesetzt. Aus Einsatzbereitschaft wird reale Einsatzverantwortung.
Aus Übung wird Einsatz.Der Einsatz setzt sich fort. 1997 gingen der Bataillonskommandeur, Teile der Stabs-/Versorgungskompanie sowie die 2. und 3. Kompanie in den SFOR-Einsatz.
Der Schritt wird dauerhaft.Die Bundeswehr übernimmt im Süden Kosovos Verantwortung für den Raum Prizren. Die Einsatzgeschichte der 2./313 führt den Kosovo-Einsatz 1999 ausdrücklich weiter.
Robuste Friedenssicherung.Das 313 steht in Kabul im frühen ISAF-Einsatz; 40 Fallschirmjäger aus Varel sichern in Dschibuti den Flugplatz Ambouli. 2003 beginnt der Weg nach Kunduz.
Der Einsatzraum wird global.Ende 2006 verlässt das FschJgBtl 313 Varel. Seit 2007 gehört die ehemalige 2./313 in Seedorf zu den Kompanien der Spezialisierten Kräfte Heer mit Erweiterter Grundbefähigung.
Die Linie entwickelt sich weiter.„Kernstück des deutschen Kontingents bildet das Fallschirmjägerbataillon 313 aus dem friesischen Varel.“Originalreportage „Eine völlig fremde Welt“ →
So lässt sich die Entwicklung lesen: früh in der neuen KRK-Welt, früh in internationalen Übungen, ab 1996 im realen Einsatz, 1999 im Kosovo, 2002 in Kabul und Dschibuti und ab 2007 mit der früheren 2./313 in der EGB-Struktur.
Die heutige Bundeswehr beschreibt das Fallschirmjägerregiment 31 als „Kräfte der ersten Stunde“. In diesem Regiment ging 2014 auch das FschJgBtl 313 auf.
Die Kaderschmiede
Rückblickend fällt eine bemerkenswerte Linie auf: Viele Soldaten, die im jungen FschJgBtl 313 früh Verantwortung übernahmen, gingen später ihren Weg in herausgehobene Führungs-, Ausbildungs- und Einsatzverwendungen.
Varel allein hat diese Laufbahnen nicht geschaffen. Soldatische Entwicklung entsteht aus vielen Stationen, Ausbildern, Kameraden, Einsätzen und eigener Leistung. Aber für einige war die Frieslandkaserne eine frühe prägende Station – genau in jener Phase, in der sich auch die Bundeswehr selbst grundlegend veränderte.
Die Aufbaujahre
Erster Kommandeur FschJgBtl 313 in Varel
Baur führte das Bataillon durch seine Aufbaujahre. Später wurde er Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt. Die Verbindung zwischen Varel und der Ausbildung der Fallschirmjäger blieb damit auch personell sichtbar.
NWZ zur Geschichte des 313 →Zugführer · KpChef 4./313 · S4
Drei frühe Verwendungen führten ihn durch das FschJgBtl 313. Heute ist Brigadegeneral Lau stellvertretender Kommandeur des Zentrums Innere Führung und Beauftragter des Generalinspekteurs für Erziehung und Ausbildung.
Führung, Ausbildung, Verantwortung
Zugführer 4./313 · KpChef 3./313 · S4
1997 führte Steinhaus seine Kompanie im SFOR-Einsatz in Bosnien. Heute ist er Brigadegeneral, Kommandeur der Infanterieschule in Hammelburg und General der Infanterie.
Offizielle Vita →Zugführer · später erneut 313 · Kompaniechef
Geßners Laufbahn führte mehrfach zurück zum 313. Später kommandierte er von 2019 bis 2021 das Fallschirmjägerregiment 31; seit 2025 führt er als Oberst das Landeskommando Bremen.
Offizielle Vita →Kommandeur FschJgBtl 313 · Varel / Seedorf
Feldotto führte das Bataillon über die letzte Vareler Phase und den Wechsel nach Seedorf. Später folgten Schlüsselverwendungen im militärischen Nachrichtenwesen. Von 2023 bis 2025 war er militärischer Vizepräsident des MAD; heute ist Brigadegeneral Feldotto Unterabteilungsleiter Streitkräfte IV im Bundesministerium der Verteidigung.
Erster Zugführer des neu aufgestellten FschJgBtl 313
Die Bundeswehr selbst porträtiert einen Reservisten, der seinen Wechsel 1993 vom Panzergrenadierbataillon in die Fallschirmjägertruppe beschreibt und sich als ersten Zugführer des neu aufgestellten 313 bezeichnet.
Bundeswehr · Zeitzeugenbericht →Die Einsatzgeneration
Bataillonskommandeur FschJgBtl 313 · Vareler Spitzname „Präsi“ (Zeitzeugenüberlieferung)
Unter Luthmers Führung stand das Vareler Bataillon im frühen ISAF-Einsatz in Kabul. DER SPIEGEL bezeichnete das FschJgBtl 313 damals als Kernstück des deutschen Kontingents und dokumentierte die inoffizielle Eigenbezeichnung „Friesen-Seals“. Der SPIEGEL-Archivtext von 2002 schreibt Luthmers Nachnamen dabei abweichend als „Luthner“.
SPIEGEL 8/2002 →Vareler Anfangsjahre · später Führung im Einsatz
Ein Foto aus dem Privatarchiv zeigt den gemeinsamen Springerlehrgang 1994. 2002 nennt DER SPIEGEL Kunert als Oberfeldwebel des Vareler 313 im Kabul-Einsatz. 2010 wurde er für sein Handeln im Karfreitagsgefecht mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ausgezeichnet.
Das Erbe
Ende 2006 verließ das FschJgBtl 313 die Frieslandkaserne und wechselte nach Seedorf. 2014 ging das Bataillon im neu aufgestellten Fallschirmjägerregiment 31 auf.
Die heutige Bundeswehr beschreibt das Fallschirmjägerregiment 31 als „Kräfte der ersten Stunde“: schnell verfügbar, luftbeweglich und befähigt, Schlüsselgelände zu nehmen und bis zum Eintreffen nachrückender Kräfte zu halten.
In dieser heutigen Struktur lebt auch ein Teil der Vareler Geschichte weiter. Die frühere 2./FschJgBtl 313 gehört seit 2007 zur EGB-Linie in Seedorf. Das ist keine gerade Traditionslinie ohne Brüche – aber eine erkennbare fachliche Entwicklung von der frühen Krisenreaktionsausrichtung über reale Einsätze bis hin zu spezialisierten Fähigkeiten.
Und vielleicht ist genau das der nüchternste Blick auf das, was von Varel geblieben ist: kein Anspruch, größer zu sein als andere. Sondern der Anspruch, dann zu funktionieren, wenn es zählt.

EIN KAPITEL GESCHICHTE. EIN MOTIV.
Ein Standort. Ein Bataillon.
Erinnerungen, die bleiben.
Die Frieslandkaserne in Varel war für viele Fallschirmjäger weit mehr als ein Standort. Hier entstand 1993 das Fallschirmjägerbataillon 313, hier wuchsen Ausbildung, internationale Zusammenarbeit und Kameradschaft zusammen.
Das Heritage-Motiv nimmt Wappen, Ort und Geschichte auf. Es steht für die Erinnerung an die Menschen des Bataillons und die gemeinsame Zeit – nicht für eine historische Originalabbildung.
BALD IM SHOP
Dieses Heritage-Motiv ist bereits als Vorschau zu sehen. In Kürze wird es im 94JumpStreet-Shop erhältlich und hier direkt verlinkt sein.

Die Seite verbindet öffentlich zugängliche Quellen mit zeitgenössischen Unterlagen und persönlichen Erinnerungen aus dem Privatarchiv. So entsteht kein reines Datenblatt, sondern ein möglichst dichtes Bild des Standorts, seiner Menschen und seiner Einsätze.
Zusätzliche Grundlage: private Einheitsunterlagen, Erinnerungsstücke, zeitgenössische Fotos sowie Archivportal-/Bundesarchiv-Fundstellen zu IFOR/GECONIFOR.