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Hauptquartier des deutschen SFOR-Kontingents im Feldlager Rajlovac 1997

1997 · Einsatzrealität

Jetzt wurde aus Vorbereitung Einsatz.

SFOR · Bosnien-Herzegowina · 10. August bis 23. Dezember 1997

Was sich 1996 angedeutet hatte, wurde 1997 für das Fallschirmjägerbataillon 313 als Verband unübersehbar: Ein großer Teil der Vareler Kräfte ging in den SFOR-Einsatz – und der Standort musste gleichzeitig weiter funktionieren.

01 · Vom Bataillon zum Einsatzverband

Varel wird Leitverband.

Anfang 1997 bekam das FschJgBtl 313 einen Auftrag, der die Entwicklung der Jahre zuvor bündelte: Es wurde zum Leitverband für den gepanzerten Einsatzverband der deutsch-französischen Gruppe bestimmt.

Die parlamentarische Dokumentation nennt für das Bataillon zu dieser Zeit eine Stärke von rund 650 Soldaten. Drei Kompanien galten als krisenreaktionsfähig; daneben bestanden eine Hauptverteidigungskräftekompanie und eine Ausbildungskompanie. Im ersten Halbjahr begann die Vorbereitung für SFOR.

Vom 10. August bis zum 23. Dezember 1997 waren der Bataillonskommandeur, Teile der Stabs- und Versorgungskompanie sowie die 2. und 3. Kompanie im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt.

Nach Jahren internationaler Übungen war Einsatzbereitschaft kein Begriff mehr auf dem Papier. Sie hatte Datum, Auftrag und Abwesenheit vom Heimatstandort.94JumpStreet

02 · Wer ging. Wer blieb.

Der Einsatz teilte das Bataillon – aber nicht seinen Auftrag.

Der Blick auf 1997 zeigt, wie viel Organisation hinter dem Wort „Einsatz“ steckt. Ein Teil des Verbandes ging nach Bosnien, während ein anderer Teil in Varel Ausbildung, Führung und personellen Nachwuchs sicherstellen musste.

IM EINSATZ

Bosnien / SFOR

  • Bataillonskommandeur
  • Teile der Stabs- und Versorgungskompanie
  • 2. Kompanie
  • 3. Kompanie

Vorbereitung im ersten Halbjahr 1997, Einsatz vom 10. August bis 23. Dezember.

IN VAREL

Der Standort läuft weiter.

  • stellvertretender Bataillonskommandeur
  • Teile der Stabs- und Versorgungskompanie
  • 4. Kompanie
  • Hauptverteidigungskräfte-Kompanie
  • Ausbildungskompanie

Die Ausbildung musste parallel weitergehen, damit nach der Rückkehr wieder ausgebildetes Personal für die Einsatzkompanien bereitstand.

Das Entscheidende daran: Einsatz war nicht nur das, was in Bosnien geschah. Er veränderte gleichzeitig den Alltag derer, die in Varel blieben.

Rajlovac · Raum Sarajevo

Ein anderer Auftrag als noch 1996.

Der Schwerpunkt des deutschen Heereskontingents lag 1997 in Rajlovac bei Sarajevo. Ein Bericht des Deutschen Bundestages nennt dort den Großteil der rund 2.200 deutschen Heeressoldaten als Teil des deutsch-französischen Einsatzverbandes. Auch die Vareler Standortchronik ordnet den Bosnien-Einsatz des FschJgBtl 313 im Jahr 1997 dem Feldlager Rajlovac zu.

Mit SFOR änderte sich die Qualität des deutschen Einsatzes. Nach dem vor allem unterstützenden IFOR-Auftrag von 1996 waren deutsche Bodentruppen nun direkt im Konfliktgebiet stationiert. Zeitgenössische Berichte schildern für den gepanzerten Einsatzverband einen Alltag zwischen Wachdienst im Camp Rajlovac, Patrouillen, der Sicherung von SFOR-Inspektionen in bosnischen Kasernen und Verkehrsregelung. Aus Friedenssicherung wurde damit ein Dienst, bei dem jederzeit aus Routine eine angespannte Lage werden konnte.

Für die Soldaten bedeutete das Dienst in einem Land, dessen Kriegsschäden überall sichtbar waren. Die parlamentarische Einsatznachbereitung spricht ausdrücklich davon, dass der Eindruck zerstörter Häuser die persönliche Wahrnehmung veränderte. Hier wurde aus dem abstrakten Begriff „Krisenreaktionskräfte“ konkrete Verantwortung.

VAREL→RAJLOVACSFOR · Bosnien-Herzegowina · 1997
Verkehr im Feldlager Rajlovac bei Sarajevo 1997
Rajlovac 1997. Verkehr und Alltagsbetrieb im Feldlager Rajlovac bei Sarajevo – genau jener Raum, in dem sich für deutsche Soldaten Routine, Wachauftrag und Einsatzrealität begegneten.Foto: Hedwig Klawuttke · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · Lizenz
03

Ein Führungsweg aus Varel

3./313 – Andreas Steinhaus in Bosnien.

Die Rolle der 3. Kompanie wird auch über ihren damaligen Kompaniechef besonders greifbar.

Andreas Steinhaus war von 1996 bis 1999 Kompaniechef der 3./Fallschirmjägerbataillon 313 in Varel. Für 1997 weist seine offizielle Vita ihn als Kompaniechef der 3. Kompanie des Gepanzerten Einsatzbataillons der Deutsch-Französischen Brigade bei SFOR in Bosnien-Herzegowina aus.

Sein Führungsweg verbindet die Vareler Kompaniestruktur unmittelbar mit dem multinationalen Einsatz und macht sichtbar, wie schnell aus Ausbildung und Einsatzvorbereitung reale Verantwortung wurde.

Offizielle Bundeswehr-Vita ansehen →
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Der Verband zu Hause

Auch Varel stand während des Einsatzes unter Spannung.

Während 2. und 3. Kompanie im Einsatz waren, bildete die 5. Kompanie als Ausbildungseinheit weiter Rekruten aus. Nach der Grundausbildung wurden diese zunächst der vollständig am Standort verbliebenen 4. Kompanie zugeführt. Nach Rückkehr der Einsatzkompanien sollten die Soldaten dann in ihre eigentlichen Stammkompanien wechseln.

Zusätzlich wurden Ausbilder aus der 2. und 3. Kompanie, die nicht mit in den Einsatz gegangen waren, der 5. Kompanie zugewiesen. Das erklärt, warum 1997 nicht nur für die eingesetzten Soldaten ein Einschnitt war. Der gesamte Verband musste Personal, Ausbildung und Führung neu austarieren.

Das Bataillon war gleichzeitig Einsatzverband und Heimatverband. Genau darin lag eine der neuen Herausforderungen der Bundeswehr der 90er.

Was von 1997 geblieben ist

Von der jungen KRK-Einheit zur Einsatzrealität.

1993 war das Bataillon neu aufgestellt worden. 1994 und 1995 prägten internationale Übungen und Sprungdienst den Ruf. 1996 brachte den tiefen Strukturbruch. 1997 folgte der SFOR-Einsatz eines großen Teils des Verbandes.

Diese Linie macht Varel rückblickend so interessant: Die 313er waren nicht einfach ein Verband, der irgendwann „auch“ in Auslandseinsätze ging. Ihre Aufbaujahre fielen genau in jene Phase, in der sich die Bundeswehr vom territorial geprägten Verteidigungsheer zur Einsatzarmee wandelte.

Nur zwei Jahre später führte diese Linie weiter in den Kosovo. Dort übernahm die Bundeswehr im Raum Prizren Verantwortung in einem robusten KFOR-Auftrag – und Fallschirmjäger gehörten zu den ersten Kräften des Heeres vor Ort.

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Quellen & historische Belege

Einsatzzeitraum und Kräfte: Die Bundestagsdrucksache 13/11005 nennt das FschJgBtl 313 mit rund 650 Soldaten, seine Bestimmung zum Leitverband sowie den SFOR-Einsatz vom 10. August bis 23. Dezember 1997. Genannt werden der Bataillonskommandeur, Teile der Stabs- und Versorgungskompanie sowie die 2. und 3. Kompanie.

Varel während des Einsatzes: Dieselbe Quelle beschreibt, welche Kräfte am Standort verblieben und wie die 5. Kompanie parallel Rekruten ausbildete. Diese Angaben bilden die Grundlage für den Abschnitt „Wer ging. Wer blieb.“

Rajlovac: Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten für 1997 beschreibt Rajlovac bei Sarajevo als Schwerpunkt des deutschen Heereskontingents im deutsch-französischen Einsatzverband. Eine regionale Standortchronik nennt für das FschJgBtl 313 den Bosnien-Einsatz 1997 im Feldlager Rajlovac.

3./313: Die offizielle Vita von Brigadegeneral Andreas Steinhaus dokumentiert für 1997 seine Verwendung als Kompaniechef der 3. Kompanie des Gepanzerten Einsatzbataillons der Deutsch-Französischen Brigade bei SFOR.

Einsatzbild SFOR: Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten für 1996 markiert den Übergang von IFOR zu SFOR als den Zeitpunkt, an dem erstmals deutsche Bodentruppen direkt im Konfliktgebiet stationiert wurden. Ein zeitgenössischer Bericht der ZEIT vom 1. August 1997 beschreibt für den gepanzerten Einsatzverband Wachdienst in Rajlovac, Patrouillen, Sicherung von SFOR-Inspektionen in bosnischen Kasernen und Verkehrsregelung.

Mission: Die Bundeswehr beschreibt SFOR als Nachfolgemission von IFOR zur Stabilisierung des Friedensprozesses in Bosnien-Herzegowina.

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