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Deutsche Soldaten mit Dingo-Fahrzeugen während einer Patrouille in Afghanistan 2009

2007–2010 · Nordafghanistan

Als aus Stabilisierung Gefecht wurde.

Kunduz · Fallschirmjäger · 2. April 2010

Der Weg nach Kunduz begann mit Aufbau und Stabilisierung. Wenige Jahre später war Nordafghanistan ein Raum, in dem Patrouillen, Ausbildung afghanischer Kräfte, IED-Bedrohung und Feuergefechte zum Einsatzalltag gehörten. Am Karfreitag 2010 erreichte diese Entwicklung einen Punkt, der sich tief in das Gedächtnis der Bundeswehr eingebrannt hat.

01 · 2007 · Der Norden Afghanistans

Der Auftrag blieb Stabilisierung. Die Lage wurde härter.

Zwischen 2003 und 2010 veränderte sich der Einsatz um Kunduz Schritt für Schritt. Aus dem Aufbau eines Provincial Reconstruction Teams wurde eine immer gefährlichere Präsenz in einem Raum, in dem Aufständische ihre Aktivitäten verstärkten.

Patrouillen führten weit aus den Feldlagern hinaus. Deutsche Kräfte arbeiteten mit afghanischen Sicherheitskräften, beobachteten Räume, begleiteten Aufbau und Ausbildung und mussten zugleich auf Hinterhalte, Sprengfallen und bewaffnete Angriffe vorbereitet sein.

Das Bild aus dem Jahr 2007 zeigt genau diese Zwischenphase: noch klarer Stabilisierungsauftrag, aber längst ein Einsatz mit bewaffneter Präsenz weit außerhalb des Lagers.

Deutsches Beobachtungs- und Verbindungsteam auf Patrouille bei Keshem in Afghanistan 2007
Fayzabad / Keshem · 2007. Deutsches Mobile Observation Liaison Team auf Langzeitpatrouille.Foto: Cpl. John Scott Rafoss, USMC · Public Domain · Wikimedia Commons
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2009 · Kunduz wird Gefechtsraum

Zwischen Patrouille, Partnerschaft und Kampf.

2009 ist die Veränderung sichtbar. Geschützte Fahrzeuge, schwere Bewaffnung und enger Kontakt zu afghanischen Kräften prägen die Bilder aus dem Einsatz.

Die Bundeswehr führte im Raum Kunduz zunehmend robuste Operationen durch. Hinterhalte, Sprengstoffanschläge und Gefechte gehörten nicht mehr zu den Ausnahmebildern aus weit entfernten Einsatzräumen – sie fanden im deutschen Verantwortungsbereich statt.

Deutsche Soldaten mit ATF Dingo auf Patrouille in Afghanistan 2009
Mazar-e Sharif · 2009. Deutsche Kräfte mit ATF Dingo während einer Sicherungs- und Beobachtungspatrouille.Foto: PO1 Ryan Tabios / ISAF HQ Public Affairs · CC BY 2.0 · Quelle
Fallschirmjäger mit MG3 auf einem Transportpanzer Fuchs in Kunduz 2009
Kunduz · 2009. Soldat am MG3 auf einem Transportpanzer Fuchs.Foto: Mike Ax · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Die Linie von Varel · Mario Kunert

1994 Springerlehrgang. 2002 Kabul. 2010 Isa Khel.

Auf der Varel-Seite begegnet uns Mario Kunert bereits in den Anfangsjahren. Ein Foto aus dem Privatarchiv zeigt ihn im gemeinsamen Springerlehrgang 1994; DER SPIEGEL nennt ihn 2002 als Oberfeldwebel des Vareler FschJgBtl 313 im Kabul-Einsatz.

Am 2. April 2010 war Kunert Hauptfeldwebel im Fallschirmjägerbataillon 373. Als ein Spähtrupp bei Isa Khel unter schwerem Feuer festsaß und sein Führer verwundet war, führte Kunert eine kleine Gruppe nach vorn und ermöglichte dessen Bergung. Für sein Handeln wurde er später mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ausgezeichnet.

Und die Verbindung zum 313 blieb nicht nur biografisch: Auch Hauptfeldwebel Philipp Oliver Pordzik von der 4./FschJgBtl 313 gehörte zu den Soldaten, die für ihr Handeln am Karfreitag 2010 mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet wurden.

Die Standorte änderten sich. Die Bataillonsnummern änderten sich. Was blieb, war der Anspruch, unter Druck zu führen, Kameraden herauszuholen und den Auftrag weiterzuführen.94JumpStreet · Linie von Varel bis Kunduz
Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit
Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit – passend zur Auszeichnung von Mario Kunert und Philipp Oliver Pordzik.Foto: Flophila88 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
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Karfreitag · 2. April 2010 · Isa Khel

Ein Tag, der die Bundeswehr veränderte.

Bei Isa Khel gerieten deutsche Fallschirmjäger in einen komplexen Hinterhalt. Aus einem Auftrag zur Räumung von Sprengfallen entwickelte sich ein fast neun Stunden dauerndes Gefecht.

Mehr als 30 deutsche Soldaten wurden in die Kämpfe hineingezogen. Drei Soldaten fielen, acht wurden verwundet. Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak kehrten nicht zurück.

Der Kampf bestand aus mehreren Phasen: Verwundetenbergung unter Feuer, Verstärkung, Luftunterstützung, ein Sprengstoffanschlag auf einen Dingo, weitere Angriffe auf das Polizeihauptquartier und schließlich das Ausweichen erschöpfter Kräfte. Was zuvor oft mit Begriffen wie „Stabilisierung“ und „Friedenssicherung“ beschrieben worden war, zeigte an diesem Tag seine härteste Realität.

02.04.2010Karfreitag · Isa Khel im Raum Kunduz
≈ 9 Stundenmehrere Gefechtsphasen unter anhaltendem Feinddruck
3 Gefallene · 8 Verwundeteeine Zäsur in der Einsatzgeschichte der Bundeswehr

Hier endet die Geschichte nicht mit einem Siegessatz. Sie endet mit Respekt vor denen, die geführt, gekämpft, gerettet, verwundet wurden – und vor den drei Kameraden, die an diesem Tag gefallen sind.

Analyse · Augenzeugenberichte

Das Karfreitagsgefecht – was geschah wirklich?

Afghanistan · deutscher Dingo auf Patrouille

Das Karfreitagsgefecht – Was geschah wirklich?

Wolf Gregis hat die Ereignisse mit zahlreichen beteiligten Soldaten aufgearbeitet. Das Video ist eine spätere Analyse mit Augenzeugenberichten – kein zeitgenössischer Nachrichtenclip – und eignet sich deshalb als vertiefender Abschluss dieses Deep Dives.

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Der Bogen schließt sich

Von Varel bis Isa Khel.

1993 begann die Geschichte mit einer jungen Fallschirmjägereinheit in Varel. Es folgten internationale Übungen, Bosnien, Kosovo, Kabul, Dschibuti und Kunduz. Das Karfreitagsgefecht gehört nicht mehr zur Vareler Standortzeit – aber Menschen und Verbände dieser Linie stehen mitten in dieser Einsatzgeneration.

Damit endet unsere historische Reise dort, wo aus dem Begriff Einsatzbereitschaft endgültig gelebte Realität geworden war.

94JumpStreet Signet
Quellen & historische Belege

Karfreitagsgefecht: Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr rekonstruiert Ablauf, Gefechtsphasen, Verwundetenbergung, Verluste und die Rolle von Zugführer Mario K. ausführlich. Die Bundeswehr nennt drei Gefallene und acht Verwundete und beschreibt das Gefecht als Zäsur der Einsatzgeschichte.

Mario Kunert: Die Verbindung Varel 1994 / Kabul 2002 ist auf der Varel-Seite dokumentiert. Für 2010 beschreibt die militärhistorische Aufarbeitung seinen Vorstoß zur Bergung des verwundeten Spähtruppführers; die spätere Auszeichnung mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit ist öffentlich dokumentiert.

Philipp Oliver Pordzik / 4./313: Öffentliche Berichte zur Verleihung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit nennen Pordzik als Angehörigen der 4./FschJgBtl 313 und würdigen sein Handeln nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dingo.

Video: Wolf Gregis veröffentlichte 2024 eine ausführliche spätere Aufarbeitung des Gefechts auf Basis zahlreicher Augenzeugenberichte. Sie wird hier als Analyse und Zeitzeugenperspektive eingebunden, nicht als Primärquelle von 2010.

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