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Die Story/2002–2003 · Afghanistan & Horn von Afrika
2002–2003 · neue Einsatzräume
Der Einsatzraum wurde global.
Kabul · Dschibuti · Kunduz
Nach dem Balkan führte der nächste Schritt weit über Europa hinaus. Anfang 2002 gingen Kräfte der Luftlandebrigade 31 nach Afghanistan. Kurz darauf wurden 40 Fallschirmjäger aus Varel nach Dschibuti verlegt. 2003 begann der Weg von Kabul in den Norden Afghanistans.
Der Afghanistan-Einsatz zeigt besonders deutlich, wie ein neuer Einsatzraum militärisch geöffnet wurde.
Anfang Januar 2002 warteten Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 31 in Deutschland auf den Einsatzbefehl. Zuvor hatte ein internationales Erkundungsteam die Bedingungen in Afghanistan geprüft. Auf dessen Bericht sollte die Entscheidung über das weitere Vorgehen folgen. Das Vorauskommando bereitete anschließend die Stationierung des Hauptkontingents vor.
Am 8. Januar 2002 starteten die ersten 70 Bundeswehrsoldaten Richtung Afghanistan. Darunter waren 50 Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 31. Eine Oldenburger Stadtchronik hält für diese ersten Tage fest, dass 250 Fallschirmjäger der Brigade aus Oldenburg, Varel und Wilhelmshaven Deutschland als Teil der Afghanistan-Schutztruppe verließen und zunächst in Kabul eingesetzt wurden.
Das Muster war klar: Lage erkunden, Kräfte vorziehen, den Einsatzraum vorbereiten – und erst dann den größeren Verband nachführen.94JumpStreet
FschJgBtl 313 · Kabul
Varel in einer völlig fremden Welt.
Im Februar 2002 widmete DER SPIEGEL dem deutschen Afghanistan-Kontingent eine große Reportage. Darin wird das Fallschirmjägerbataillon 313 aus Varel als Kernstück des deutschen Kontingents beschrieben.
Für die Vareler bedeutete Kabul mehr als einen weiteren Auslandseinsatz. Klima, Infrastruktur, Bevölkerung, Auftrag und Entfernung vom Heimatstandort unterschieden sich grundlegend von Bosnien und Kosovo. Aus der europäischen Krisenreaktion wurde innerhalb weniger Jahre weltweite Einsatzbereitschaft.
„Wenn’s knallt, sind das diejenigen, die noch was ausrichten können.“
DER SPIEGEL · 8/2002 · Aussage eines Scharfschützen-Truppführers
Der Satz ist rau, aber er erklärt einen Teil des damaligen Selbstverständnisses. Entscheidend war nicht blindes Draufgehen, sondern die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben: ruhig genug, um die Lage zu lesen – und entschlossen genug, wenn Handeln notwendig wurde.
Direktes Videomaterial aus der frühen Afghanistan-Phase ergänzt die Chronik von Kabul, den ersten deutschen Kräften im Raum Kunduz und dem Übergang von Planung zu Präsenz.
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02
04. Februar 2002 · Dschibuti
40 Fallschirmjäger aus Varel – am Horn von Afrika.
Während Kameraden in Afghanistan standen, öffnete sich für Varel praktisch gleichzeitig ein zweiter Einsatzraum.
Am 4. Februar 2002 wurde berichtet, dass 40 Fallschirmjäger aus Varel nach Ostafrika verlegt worden waren. Die Luftlandebrigade 31 übernahm vorläufig die Sicherung des Flugplatzes Ambouli in Dschibuti. Der Flugplatz diente als Basis für Hubschrauber des deutschen Marineverbandes am Horn von Afrika.
Die Sicherung sollte im vierteljährlichen Wechsel mit Kräften von Luftwaffe und Marine erfolgen. Zeitgleich befanden sich rund 230 Soldaten der Luftlandebrigade 31 in Afghanistan. Selten wird so anschaulich sichtbar, wie schnell sich der Aktionsradius der Truppe verändert hatte: Varel – Kabul – Dschibuti.
VAREL→KABULgleichzeitig weiterer Vareler Einsatzraum: Dschibuti / Horn von Afrika
03
2003 · Der Weg nach Kunduz
Bevor der Marschbefehl kam.
Ein neuer Einsatz beginnt nicht erst mit dem Moment, in dem ein großes Kontingent aufbricht. Davor liegen Erkundung, Lagebild, Gespräche, Planung und Vorauskräfte.
Im August 2003 untersuchte ein interministerielles Fact-Finding-Team Kunduz als möglichen Standort eines deutschen Provincial Reconstruction Teams. Die Entscheidung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen. Im September wurde im Bundestag bereits offen über ein Organisationsvorauskommando nach Kunduz gesprochen – noch während die politische und rechtliche Grundlage für die Erweiterung des Einsatzes diskutiert wurde.
Am 24. Oktober 2003 erweiterte der Deutsche Bundestag das ISAF-Mandat auf die Region Kunduz. Einen Tag später trafen 27 Bundeswehrsoldaten dort ein, um den Aufbau des deutschen PRT vorzubereiten. Genau hier wird sichtbar, wie eng militärische Erkundung und politische Entscheidung zeitlich ineinandergreifen konnten.
Afghanistan · Januar 2003. Deutsche Soldaten bei einer Einweisung an einem US-amerikanischen HH-60 Black Hawk – ein zeitgenössisches Bild aus der frühen ISAF-Phase.Foto: SSgt Cherie A. Thurlby, USAF · U.S. National Archives · Public Domain · Wikimedia Commons
AUG 2003Fact FindingSEP 2003Vorauskommando in Planung24.10.Mandat erweitert25.10.27 Soldaten in Kunduz
06.04.2003 · eine Spur nach Kunduz
Ein Datum, das Fragen offenlässt.
Die Vareler Standortchronik setzt bereits unter dem 6. April 2003 den Eintrag „Einsatz in Afghanistan / Kunduz“. Monate später wird der Weg nach Kunduz auch in den bekannten Abläufen sichtbar: Erkundung im August, Vorausplanung im September, Mandat und Vorauskommando im Oktober.
Zwischen April und August liegt ein Stück Geschichte, das in den heute greifbaren Unterlagen nicht vollständig sichtbar wird. Ob das Datum eine frühe interne Einsatzmarke, eine vorauslaufende Verwendung oder eine spätere chronologische Zuordnung bezeichnet, bleibt offen.
Manchmal gehört genau das zu einer guten Chronik: Ein Datum steht. Der sichtbare Weg folgt später. Dazwischen bleibt Raum für die Geschichte hinter der Geschichte.
Frieslandkaserne Varel · Ausgangspunkt des FschJgBtl 313.
2004 · Kunduz
Der Einsatz etabliert sich.
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Oberst i.G. Ferdinand Baur in Kunduz
Das Video zeigt Kunduz kurz vor und nach der Kommandoübernahme. Gerade dadurch eignet es sich als Epilog für diese Seite: Aus dem improvisierten Anfang von 2003 wird Schritt für Schritt eine gefestigte Präsenz im Norden Afghanistans.
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Die Linie von Varel
Von der KRK-Idee zur weltweiten Einsatzrealität.
1993 begann die Geschichte des neu aufgestellten Bataillons mit Ausbildung, Sprungdienst und der Frage, wofür die neue Krisenreaktionsfähigkeit einmal gebraucht werden würde. Zehn Jahre später war diese Frage beantwortet.
Bosnien, Kosovo, Kabul, Dschibuti und Kunduz stehen für unterschiedliche Aufträge und unterschiedliche Phasen. Gemeinsam erzählen sie aber denselben Wandel: Aus einer jungen Fallschirmjägereinheit in Varel wurde ein Verband, dessen Angehörige immer wieder dort eingesetzt wurden, wo schnelle Verfügbarkeit, infanteristische Erfahrung und Belastbarkeit gefragt waren.
Offizieller Bundeswehr-Rückblick: 13 Jahre Afghanistan-Einsatz. Das Video ist bei YouTube nicht für eine Einbettung auf fremden Seiten freigegeben und öffnet sich deshalb direkt dort.
Kabul 2002: Zeitgenössische Berichte dokumentieren ein Erkundungsteam, das Vorauskommando der Luftlandebrigade 31 und den Abflug der ersten 70 Bundeswehrsoldaten am 8. Januar 2002. Die Oldenburger Stadtchronik nennt 250 Fallschirmjäger der Brigade aus Oldenburg, Varel und Wilhelmshaven mit Ziel Kabul.
FschJgBtl 313: DER SPIEGEL beschrieb das Vareler Bataillon im Februar 2002 als Kernstück des deutschen Kontingents in Kabul.
Dschibuti: Ein Bericht vom 4. Februar 2002 nennt ausdrücklich 40 Fallschirmjäger aus Varel zur Sicherung des Flugplatzes Ambouli am Horn von Afrika.
Kunduz 2003: Bundestagsprotokolle und Bundeswehr-Chronik dokumentieren die Erkundungs- und Vorauskommando-Phase im Spätsommer/Herbst 2003 sowie die Mandatserweiterung am 24. Oktober und das Eintreffen von 27 Soldaten am 25. Oktober. Die Vareler Standortchronik führt zusätzlich den Eintrag „06.04.2003 Einsatz in Afghanistan / Kunduz“.